„Krippkes kieken“ in Ostbevern - Eine echte Rarität

05. Januar 2020

WN-Bericht und Foto: Anne Reinker

Natürlich hatten die aktiven Helferinnen, die sich um den Aufbau der 23 Krippen im Heimathaus gekümmert hatten, auf eine gute Resonanz gehofft. Dass aber so eine drangvolle Enge herrschte, damit hatte niemand aus dem Team gerechnet. „Es war proppenvoll“, wie sich jemand äußerte, aber es gab auch nur zufriedene Gesichter und viel anerkennende Worte.

Jung und Alt bestaunten die beim „Krippkes kieken“ ausgestellten Darstellungen der Szenerie rund um Jesu Geburt. Foto: Anne Reinker

Eine Krippe mit Figuren aus Margarinen-Packungen der 1920er Jahre gehörte zu den Besonderheiten unter den Darstellungen, die beim „Krippkes kieken“ im Heimathaus gezeigt wurden. Aber auch ein Krippe voller Schleich-Figuren sorgte bei den Besuchern für Aufmerksamkeit.
Mehrere Wochen lang stimmten Krippenfiguren auf die Festtage ein und schmückten nebenbei das Wohnzimmer. Bevor die Darstellungen der heiligen Familie wieder gut verpackt auf den Dachboden gehen, brachten einige Ostbeverner ihre Figuren in das Heimathaus. Dort bestand am Sonntag die Möglichkeit zum „Krippkes kieken“. Die 23 mitunter sehr unterschiedlichen Darstellungen sorgten für großes Interesse. Nebenbei wurde ein nachmittäglicher Imbiss geboten.
Organisiert wurde das Ganze von einem Team um Angelika Schulze Hagen und Annegret Stiller nun bereits zum dritten Mal. „Das ,Krippkes kieken' ist schon ein wenig zur Tradition geworden“, sagte Franz-Josef Elberich , Vorsitzender des Heimatvereins. Unter den Krippen waren auch einige, die dem „Fair Teiler“ gespendet wurden und dann in den Bestand des Vereins übergingen, wie Elberich erzählte.
Etwas ganz Besonderes wurde mit der Krippe gezeigt, deren Figuren ab den 1920er Jahren als Produktzugaben zu Margarinepackungen gegeben wurden. In den Zeiten zwischen den Weltkriegen war der deutsche Margarinemarkt mit mehreren hundert Herstellern besetzt, unter denen ein starker Konkurrenzkampf herrschte. Bis 1954 gaben die Hersteller den Margarinepackungen zarte Figürchen jeglicher Art zur Markenbindung bei.
„Solche Krippenfiguren kriegt man heute nicht mehr“, betonte Angelika Schulze Hagen die Rarität der Margarine-Krippe, die Jutta und Dieter Norenz in das Heimathaus brachten. „Sie wurden schnell kaputtgespielt oder entsorgt“, so die Verantwortliche.
Ebenfalls eine außergewöhnliche Darstellung kam von Paul Stiller, mit zehn Jahren der Jüngste unter den Krippenbauern. Er stellte die heilige Familie samt Umfeld mit Schleich-Figuren dar. Sogar einen Biber brachte er darin ein.
Aus Holz ist die Darstellung, die Barbara Zeigert gehört und die sie im Bischofszimmer des Heimathauses aufbaute. Die Krippe wurde 1958 von ihren Eltern bald nach deren Flucht aus Ostpreußen auf einem Handwerkermarkt gekauft, wie die Ostbevernerin erzählte. Und somit für sie eine ganz besondere Bedeutung hat.
Moderner geht es nicht, möchte man bei der Krippe denken, die durch einen 3D-Drucker entstand. „Selbst das funktioniert also“, erkannte Franz-Josef Elberich die Möglichkeiten der heutigen Technik an.
Einige der Krippen können noch am morgigen Mittwoch im Heimathaus bewundert werden. Denn eine Auswahl werden die Organisatorinnen für den plattdeutschen Abend stehenlassen können.