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Alte Krankenhaus im Jahre 1961
Das Fachwerkhaus zierte im Jahre 1961 die Bahnhofstraße und war im Volksmund als "altes Krankenhaus" bekannt. Bild: Aloys Pohlmann
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"Gefallen für die Vereinigten Staaten"

Wer die Gedenkstele auf dem alten Friedhof betrachtet, liest dort 400 Namen von Kriegsopfern. Zwei stechen heraus: Anton Herman Bullenhaar und Wilhelm Josef Altenau. Sie fielen im Amerikanischen Bürgerkrieg. Die Heimatforscher Werner Schubert und Eduard Silge haben in Archiven geforscht, Dokumente gesichtet und die Geschichte der beiden Auswanderer aufgearbeitet.
Der Amerikanische Bürgerkrieg, auch Sezessionskrieg genannt, dauerte von 1861 bis 1865. Es kämpften die aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen, in der Konföderation vereinigten Südstaaten gegen die in der Union verbliebenen Nordstaaten. Bullenhaar und Altenau waren Soldaten in der Armee dieser Unionsstaaten.
Der erste der beiden, der ein Schiff in die „Neue Welt“ besteigt, ist Wilhelm Joseph Altenau. Der Ackerknecht, geboren am 5. September 1834 in Ostbevern und wohnhaft am Schirl 18a, verlässt seine Heimat im Alter von 15 Jahren im Jahr 1849 – ohne Genehmigung zur Ausreise, wie die Dokumente vermerken. Er reist nicht alleine, mit dabei sind seine Brüder Hermann Henrich, Joan Wilhelm, Bernhard Henrich und Joan Henrich. Das Ziel der Auswanderung: Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio.
Neun Jahre später, am 22. Juni 1858, besteigt Anton Hermann Bullenhaar das Auswandererschiff. Er hat eine Genehmigung beantragt und reist nach Belgien. In Antwerpen legt die „Harstene von Antwerpen“ am 2. August 1858 ab. Das Schiff erreicht New York am 15. September 1858. Auch Bullenhaar, geboren am 6. Juli 1833 in Ostbevern und wohnhaft in der Dorfbauerschaft 9, ist Ackerknecht. Und ebenso wie Wilhelm Altenau reist er nicht alleine, sondern als Teil der Ostbeverner Familie Joan Henrich Vogelsang. Das endgültige Ziel der Reise ist ebenfalls Cincinnati in Ohio.
Im Spätsommer 1859, rund ein Jahr nach der Ausreise, erreicht ein Brief die Familie Bullenhaar in Ostbevern. Anton Hermann schreibt aus den Vereinigten Staaten. Dieser Brief ist erhalten. Der Auswanderer berichtet von der Überfahrt aus Antwerpen, von schweren Winden und der Seekrankheit. Von den schlechten Verhältnissen auf dem Schiff. „Die Mannschaft, der Kapitein und Steuerleute bestanden aus einem Gesindel lauter nichtswürdiger Irländer, welche das von der Kompagnie darauf gelieferte Proviesant zurückhielten und es nachher in New York verkauften. Ich hatte aber zum Glück meinen Kasten ziemlich gut angefüllt“. Das Schiff hat zum Großteil Waren geladen, neben der Crew sind nur 72 Menschen an Bord, „aus allen Theilen der Welt“, wie Bullenhaar schreibt. Nach mehrwöchiger Reise werden eines morgens die Leuchttürme vor New York sichtbar. „O, wie waren wir froh daß wird endlich daß gewünschte Ziel erreicht haben“, schreibt der Ostbeverner.
Als er in Nordamerika ankommt, sollte es noch rund 1,5 Jahre dauern, bis Abraham Lincoln US-Präsident wird. Lincoln ist erklärter Gegner der Sklaverei und möchte sie abschaffen. Sklaven gibt es jedoch vor allem in den Südstaaten. Daran wird sich der Bürgerkrieg entzünden.
Anton Bullenhaar reist nach seiner Ankunft die Ostküste hinauf und dann nach Westen ins Land, er fährt mit der Eisenbahn und mit dem Dampfschiff. Fünf Tage später ist er in Cincinnati. Dort trifft er Hermann Kohus, ebenfalls Auswanderer aus Ostbevern, der inzwischen seit sieben Jahren in den Vereinigten Staaten lebt und der ihm die Stadt zeigt. Am nächsten Tag stellt Kohus den Neuankömmling bei Johannes Kuhlmann vor, ebenfalls ein gebürtiger Ostbeverner. Kuhlmann vermittelt dem Auswanderer eine Stelle bei einem befreundeten Bauern. Dort arbeitet Bullenhaar ein halbes Jahr, dann zieht er um nach Kentucky. „Ich bin bys jetzt bei einer Deutschen Herrschaft namens Sendschult aus Warendorf”, schreibt er. Dort wohnt er, Arbeit hat er bei einer Brauerei gefunden. „Ich verdiene hier per Monat 13 Dollar und die Kost, und es gefällt mir sehr gut hier. Was die Arbeit anbedingt, so gefällt mit alles sehr gut, viel besser wie in Deutschland.” Vor allem, dass in seiner neuen Heimat in der Landwirtschaft bereits viele Maschinen eingesetzt werden gefällt ihm. Sogar das Gras wird nicht mehr mit der Hand geschnitten. „Wenn sie bei euch wohl sagen, daß sie hier so hart arbeiten müssen, ist lauter Humbuck, d.h. lügen”, schreibt Bullenhaar.
Ob er auf seinen Brief eine Antwort erhalten hat, ist nicht bekannt. Zwischenzeitlich scheint der Briefwechsel eingeschlafen zu sein, erst zweieinhalb Jahre später, kurz vor Jahresende 1861, schickt Bullenhaar wieder ein Schreiben nach Deutschland. Er entschuldigt sich, dass er sich so lange nicht gemeldet habe, „wichtige Verhältnisse” seien die Ursache gewesen. Bullenhaar meint den Krieg zwischen Nord- und Südstaaten, der inzwischen ausgebrochen ist. Abraham Lincoln ist seit fast einem Jahr Präsident, als der Ostbeverner den Brief am 27. Dezember 1861 aufsetzt. Seine Wahl hatte dafür gesorgt, dass die meisten Südstaaten aus der Union austraten. Der Krieg begann am 12. April 1861 mit dem Beschuss des Forts Sumters durch die Konföderierten. Der Konflikt sollte länger als vier Jahre dauern.
Anton Bullenhaar ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht Soldat, er arbeitet bei einem englischen Bauern namens Johnson Schmidt „im State Kentücki“. Dort bekommt er mit, wie sich der Konflikt ausweitet. Er schreibt: „Man hört jetzt anders nicht viel mehr sprechen als von Kriegesrüstungen. Überall ertönt daß hier, ganz ungewohnte mordsgeschrei, des Krieges”. Bullenhaar berichtet, dass viele Deutsche in die Armee eingetreten seien – obwohl sie ihre Heimat doch verlassen hätten, um dem Kriegsdienst zu entgehen. „In Kentücki sind schon über 100 000 Nordentruppen hineingerückt und es wird wahrscheinlich bald der Schauplatz eines blutigen Krieges werden”, prophezeit er in seinem Brief und macht klar, auf wessen Seite er steht: „Wen England seine Hand nicht mit hineinmischt, so wird hoffentlich bald der rebellische Süden unterdrückt werden.” Dann berichtet er von der Landwirtschaft und von der sehr guten Ernte. Er schreibt aber auch, dass er Probleme hat seinen Lohn zu bekommen. Immer noch verdient er 13 Dollar pro Monat. „Sie bezahlen hier guten Lohn in der Armee von 13 bis 27 Dollar pro Monat und noch einmal 100 nach Ende der Dienstzeit.” Seinen Brief beendet er mit dem Satz: „Gott erhalte und bewahre noch viele Jahre in daß unzertrennliche Band der einigkeit, die United Staates of the Amerika.”
Wann genau Anton Hermann Bullenhaar in die Armee eintrat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Der Amerikanische Bürgerkrieg dauerte noch vier weitere Jahre, am Ende waren die Südstaaten ausgeblutet. General Robert Edward Lee, Oberkommandierender der Südstaaten-Armee, entschied sich am 9. April 1865 zur Kapitulation. Damit war der Krieg offiziell beendet. Am Ende hatten 600 000 Menschen ihr Leben verloren – darunter Hermann Anton Bullenhaar und Wilhelm Joseph Altenau aus Ostbevern.
Elf Jahre später, am 22. Juli 1874, veröffentlicht das Königliche Kreisgericht in Warendorf dann ein Aufgebot. Hermann Anton Bullenhaar oder dessen Erben sollen sich beim Gericht melden. Der Hintergrund: Philipp Anton will seinen Bruder für tot erklären lassen. Seit elf Jahren, so steht es in dem Aufgebot, habe man von Hermann Anton nichts mehr gehört.
Wenn er sich bis zum Stichtag am 20. Mai 1875, also fast ein Jahr später, nicht melde, bestätige das Gericht den Tod. Es schickt die Rechnung gleich mit: 12 Thaler und 1 Silbergroschen kostet es, dann ist Hermann Anton Bullenhaar auch offiziell verstorben.
Weitere Ergänzungen sind noch am 16.08.2016 in der WN erschienen.

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