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Das Geburtshaushaus von Bischof Poggenburg
Liebevoll restauriert wird das Geburtshaus des Bischof Poggenburg heute als Heimathaus genutzt
Bild: Rainer Brettner
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Auswanderung aus Ostbevern nach Nordamerika

Aus dem deutschsprachigen Raum emigrierten nahezu 8.000.000 Männer, Frauen und Kinder in die Vereinigten Staaten von Nordamerika in den letzten drei Jahrhunderten. Nachdem am 6. Oktober 1683 dreizehn Krefelder Leineweberfamilien mit dem englischen Segelschiff „Concord“ im Hafen von Philadelphia, der Hauptstadt der englischen Kolonie Pennsylvania, angelegt hatten, gründeten sie in der Nähe der Stadt den Ort „Germantown“. Hier hofften die Krefelder Quäker aus dem niederländisch-deutschen Grenzbereich Ruhe vor der Obrigkeit und den Mitmenschen zu finden.

Deutsche Einwanderer haben bei der politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika Hervorragendes geleistet und tiefe Spuren hinterlassen.

„Heil dir Columbus, sei gepriesen
Sei hochgelobt in Ewigkeit.
Du hast uns einen Weg gewiesen
Der nur aus harter Dienstbarkeit
Erretten kann, wenn man es wagt
Und seinem Vaterland entsagt.“

(Knüttelvers mit insgesamt 48 Versen von
Franz Lahmeyer aus Osterkappeln, 1833)

Die ersten uns bekannten Auswanderer aus Ostbevern waren Clemens Florenz Martin Joseph Niehaus, 1795 in Ostbevern geboren und seit 1832 bei der Bürgermeisterei tätig, der Zimmermannmeister Johann Caspar Gäher mit Ehefrau Anna Maria Elisabeth Lehmkuhl mit den drei Kindern Joann Anton, Elisabeth und Bernard, der Gärtner Joann Wilhelm Dierkes und der Schreiner Bernard Anton Stockmann. Sie wanderten 1833 mit Erlaubnis der Preußischen Regierung über Bremen und Baltimore nach den Vereinigten Staaten von Amerika aus und siedelten in der 1788 von Deutschen mitgegründeten Stadt Cincinnati im Bundesstaat Ohio.

Im Jahre 1810 betrug die Einwohnerzahl dort ca. 6.000, davon waren 7% deutscher Abstammung. Dreißig Jahre später, im Jahre 1840, gab es 46.000 Einwohner mit einem deutschen Anteil von über 28%. Bernard Anton Stockmann kehrte 1834 nach Ostbevern zurück, um einige Monate später endgültig mit seiner Frau, seiner Stieftochter Anna Maria Elisabeth Haverkamp und 37 weiteren Auswanderern nach den USA zu gehen.

Für fast alle Auswanderer zwischen 1835 und 1899 war Cincinnati das erste Ziel in der Fremde. Hier hatten sie Verwandte, Bekannte oder Freunde und konnten sich so einen besseren Überblick über berufliche Möglichkeiten verschaffen. Viele der Ostbeverner Auswanderer blieben für immer in Cincinnati, andere siedelten später im nördlichen Ohio (z. B. Minster, Fort Loramie, Glandorf, Fort Jennings), Illinois, Iowa, Indiana oder Missouri. Einige verpflichteten sich zuerst als Ackerknecht, Handwerker oder Dienstmagd, um ihren Lebensunterhalt zunächst einmal zu sichern. Später erwarben viele von ihnen eine eigene Farm oder arbeiteten als selbständige Handwerker und waren so in der Lage, eine Familie zu gründen.

Höhepunkte der Emigration aus Ostbevern bildeten die Jahre 1835/36 (75 Auswanderer), 1847 – 1850 (108 Auswanderer) und nach Beendigung des amerikanischen Bürgerkrieges 1866/67 (41 Auswanderer). Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam es statt der bisherigen Fernwanderungen vermehrt zu Binnenwanderungen in die wirtschaftlich stark expandierende Region zwischen Ruhr und Lippe.

Von den 428 in der Auswertung erfassten Auswanderern sind 223 (52,10%) mit Genehmigung der Königlich Preußischen Regierung zu Münster und 205 (47,90%) ohne Genehmigung ausgewandert. Hierbei ist auffallend, dass sich in vielen Fällen die männlichen Auswanderer der preußischen Militärpflicht entziehen wollten. Einige verließen ihre Heimat jedoch auch aus Furcht vor drohender Verurteilung durch die preußischen Gerichte oder anderen persönlichen Gründen.

Wer heimlich vor oder nach der Musterung nach Amerika auswanderte – beides war nach dem preußischen Gesetz als Militärflucht verboten – wurde in einem Konfiskationsprozess nach der Allgemeinen Gerichtsordnung bestraft. Das reelle und das noch zu erwartende Vermögen konnte eingezogen werden. Ferner verloren die ohne Genehmigung Emigrierten das Recht auf Wiedereinbürgerung.

Mehr als die Hälfte aller Auswanderer aus Ostbevern ging im Familienverband nach Amerika. Die 55 ausgewanderten Familien setzten sich wie folgt zusammen:

- 33 Ehepaare mit Kindern (50 Söhne und 45 Töchter)
- 10 Ehepaare ohne Kinder
- 2 Väter mit Kindern (4 Söhne und 2 Töchter)
- 10 Mütter mit Kindern (15 Söhne und 7 Töchter)

Bemerkenswert im Zusammenhang mit der Familienauswanderung ist ihr Zeitpunkt. In dem ersten Jahrzehnt des betrachteten Zeitraumes von 1830 bis 1899 emigrierten fast 70,0% im Familienverband. Dieser Anteil nimmt bis 1899 stetig ab. Nicht der unabhängige und unternehmungslustige Ackerknecht oder Handwerksbursche wanderte aus, sondern der tatkräftige Familienvater, der eine bessere Lebensgrundlage für seine Familie suchte.

Leicht ist das Leben für die Auswanderer in der neuen Heimat gewiss nicht gewesen. Sowohl in Californien, Kentucky, Louisiana, Illinois, Indiana, Iowa, Missouri, Montana, New York, Oregon und besonders Ohio finden wir Spuren der aus Ostbevern ausgewanderten Männer und Frauen. Ob als Farmer, Ordensfrau, Handwerker, Magd, Fuhrunternehmer, Baumeister, Priester, Bierbrauer, Soldat, Ackerknecht, Kaufmann oder Arzt, sie alle leisteten ihren Beitrag in der „Neuen Welt“.

Weiter Informationen entnehmen Sie bitte dem Buch „Geschichte der Gemeinde Ostbevern“ Band 2, ISBN 3-00-009615-9 aus dem Jahre 2002.

Ostbevern, 15.02.2007
Werner Schubert

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